Hallo und herzlich willkommen im Blog von Marvelous Case. Mein Name ist Mario. Ich bin der Schreiberling, Bassist und organisatorische Anlaufpunkt des Trios.
Viel Spass bei unseren Tour-Stories.
ahoi, euer Cosmicmario.
Neue Runde, Neues Glück

Die alte Besetzung des Trios, das in der Wüste von Dubai zu einem Zweidritteltrio gestutzt wurde, hatte sich nach dem Ende des Vertrages in Wohlgefallen aufgelöst. Sängerin Margit studiert in Wien weiter Gesang und Matti Jazz in Berlin. Da es für mich nichts zu studieren gibt, außer das Leben selbst, habe ich ein Neues Trio zusammen gestellt. Diesmal sollte es aber keine bedeutungsswingige Barmusik werden. Friday, auch eine Seemusikerbekanntschaft, meldete früh Interesse bei diesem Trio - bewaffnet mit Besen (dem einzigen Swingelement) - beizuwohnen. War also nur noch ein singender Pianist oder Sänger zu suchen, der solistische Ambitionen hatte.
Über den Tipp eines ehemaligen Bandmusikers von Nena (PC ich danke dir), ich solle doch mal den derzeitigen Backingsänger und Gitarrist der Band fragen, wurde ich schnell fündig. Und Nader, so heißt die Goldkehle, hatte doch wirklich Zeit und Lust für 9 Wochen mit in die Karibik zu kommen. Der neue Stil der Musik war noch reine Theorie und so entstand ein weiteres Mal die Musik von Marvelous Case erst richtig auf dem Meer. Genauer gesagt im Karibischen Meer.
Karibiktour mit der AIDA VITA 2007/2008
Im Dezember 2008 gingen wir im sonnigen Aruba (Niederländische Antillen) an Bord der AIDA VITA. Für etwas Unruhe unter den Offizieren an Bord sorgten die bambusgestochenen Kunstwerke auf Naders Körper. Hätte ich diese Maße, würde ich mich für Unterwäschemode teuer bezahlen lassen oder bei Bruce ordentlich meinen Allerwertesten vorwippen. Ganz nach dem Rockmusikerklischee gerieten wir ziemlich schnell in den Ruf von Aufrührern und Meuterern. Übrigens kommen die ersten Tätowierungen, unter anderem, von der Seefahrt, der die meisten ja Ihren Job verdanken.
Mit Akustikgitarre, Kontrabass und Schlagzeugbesen bewaffnet begannen wir mit der musikalischen "Meuterei" auf der AIDA. Am ersten Abend hatte sich die komplette Offiziersriege zur Abnahme aufgebaut. Durch wohltemperierten Sound und einen leisen Bruce Springsteen bekamen wir schon nach wenigen Songs den gehobenen Daumen des Clubimperators. Von diesem Abend an begann ein musikalischer Siegeszug durch alle 13 Floors der AIDA BOUNTY.Die folgenden Abende zeichneten sich durch einen steten Zuwachs an Gästen aus. Sowohl an Passagieren als auch Crewmitgliedern, die ihre freien Abende in unserer Bar begannen und nicht selten beendeten.
Das Konzept ging auf. Aber wo Kling da auch Klang, wo Boing da auch Schmerz.
Und so blies uns auch bald ein mächtiger Neidwind entgegen, deren Richtung für navigationsungeübte Musiker in den ersten Tagen nicht auszumachen war. Denn bei einer Mottoparty die im Zeichen einer "Mexikanischen Nacht" stand, traf uns eine feindliche Kugel empfindlich im vorderen Bugbereich in Form einer schriftlichen Abmahnung für nicht mottogerechtes Auftreten. Nur ein Blick in die Fotoabteilung unserer Website zeigt hier die Obermexikaner der Reise. Dieses Motto hatte wohl niemand so lange inne wie Marvelous Case persönlich. Olé!
Aber die eigentlich wirklich sehenswerten Dinge dieser Reise spielten sich außerhalb des Schiffes ab. Schließlich waren wir in der Karibik. Nie unter 26 Grad, Wasser wie Luft. Berlin ächzte unter einem mittelmäßigen Winter, der sich in Form eines Dauerdauerregens präsentierte.
Ich wusste nicht, welches T-Shirt ich zuerst anziehen sollte. Die erste Insel, die wir nach einem Seetag betraten, hieß Jamaika. Wie auf den meisten Inseln der Karibik wird auch dort fast nie Haschisch geraucht oder Rum getrunken. Jeder sagt "Yo man!", und man hat permanent das Gefühl man trifft alte Bekannte. Unser späterer Lieblingsplatz war dann leider ein abgegrenzter Strand, aber ansonsten hätten wir uns vor Armbändern, Joints und Taxivorbestellungen nicht retten können. Nach dem fünften Rumpunsch und dem ersten Bad im smaragdgrünen Meer war klar: Wir sind jetzt in der Karibik und das wird für die nächsten Wochen ein Heidenspass..
Über 20 verschiedene Inseln standen auf dem Plan. Wobei zu den Highlights der Reise zweifellos Mexico, Antigua und Dominica zählten.
Abgesehen von Palmenstränden und blaugrünem Wasser, das man so noch nicht in seiner Badewanne gesehen hat, haben alle Inseln ihr ganz eigenes Flair: Tortola, St. Vincent, Guadeloupe, Isla Margarita, Bon Aire, Barbados und und und...
Rum auf Dominika
Das Schiff lag traumhaft günstig an einer hölzernen Seebrücke vor dem malerisch gelegenen Ort Rousseau auf Dominika. Das Trio und 5 Mädels Verstärkung machten sich auf, die schon in Sichtweite gelegenen Regenwälder samt Wasserfällen zu erkunden. Ganz im Sinne von Sir Francis Drake.
Wenn nun aber eine Horde von 8 Leuten auf die schon, aus der Ferne nervös rumrufenden Taxifahrer zukommt, steigen die Kosten für eine Fahrt ins Grüne in eine Höhe, die weit über die Wipfel des Regenwaldes hinaus reicht. Der Preis gilt natürlich immer nur für Minuten. Es ist wie ein Tennisball der langsam zu Boden hüpft.
Verhandeln tun in einer gemischten Gruppe prinzipiell die Frauen. Die Männer halten sich zurück und das Geld bereit. Hübsch buntes Gewand wirkt sich gar wundersam auf den Endverbraucherpreis (EVP) aus. Bloß nicht einmischen und die Mädels machen lassen. Man kann viel lernen. Immer ein Ohr im Gespräch haben und ganz nebenbei die schon sichtbaren Wälder bewundern.
Und gut zuhören konnte auch Kurt, ein dabeistehender Taxifahrer. Er zog einen unsere Gruppe zur Seite und halbierte prompt den Preis. Für gewöhnlich muss man auf der Hut sein bei derartigen Konkurrenzangeboten. Immerhin kann es ja sein, das Kurt seinen letzten TÜV verschlafen hatte. Vielleicht würden wir bei einem Platten einen Teil der Strecke zu Fuß gehen müssen, weil er seinen Ersatzreifen für, nebenbei gesagt wirklich hervorragenden, Rum versetzt hat. Und dann stelle mal sich den Rückfahrpreis vor, wenn 8 Deutsche im Regenwald den Daumen hochhalten. Aber Kurts Auto sah erstaunlich europäisch gepflegt aus und sein gesprochenes Englisch ebenfalls. Schnell war sich die Gruppe einig und die Konkurrenz wetterte noch lange dem Kleinbus hinterher. Mit einem unverschämt zügigen Tempo bei engster Straßenlage schossen wir an Klein- bis Kleinsthütten vorbei in die Berge, wo sich meine Gedanken an Kurts TÜV schnell verflüchtigten. Wer dort mit 4 Rädern unterwegs ist, wird ohne Stimmabgabe Gouverneursanwärter. Aus der Straßenbreite hätten wir in Deutschland eine Einbahnstraße machen müssen, mit besonderem Fahrverbot für Leute aus Mecklenburg - Vorpommern.
Angekommen am Regenwaldparkplatz merkten wir schnell, dass diese Idee nicht so genial ausgefallen war. Viele Taxi-Kurts hatten viele unseresgleichen mitgebracht. In dem Bruchteil einer Sekunde überlegt man, ob es Sinn macht, sich der Menschenameisenstrasse ins Grüne anzuschließen.
Mit Handschlag besiegelt schwor Kurt wie ein Siouxindianer, er würde an diesem jenen Ort, zur verabredeten Zeit zur Stelle sein. Warum er das so untypisch für die Gegend schwören konnte, wurde uns erst später klar: Er fuhr erst gar nicht weg, sondern spielte mit seinen Kollegen ein Brettspiel. Warum nehmen es unsere Taximeckerer eigentlich nicht so gelassen? Anstatt in ihrem Taxi Stunden mit der Bild Zeitung zu verbringen, könnte man auch gut mit den Kollegen eine Runde Backgammon spielen. Das Stresst niemanden und schafft mehr Kommunikation.

Der gemeinsame Marsch in der losen Touristenschlange lohnte sich doch sehr. Lianen, Vogellaute und ein Klima, dass ich bis dato nur aus dem Tierpark Berlin, dem Alfred - Brehm - Haus, kannte: Schön warm und feucht. Der krönende Abschluss, ein Bad unter dem ordentlich kalten Wasserfall: Kein Gedanke an die unsicher herauf staksenden Touristen, keine Gedanken an die abgelegten Sachen, keine an zu Hause oder das Wetter. Noch nicht einmal daran wo ich war. Es war einfach nur Wow! Die Steine unter sich fühlen und den Blick zum Wasserfall hinauf. Ich war Tarzan und wollte herausschreien: Ich brauche jetzt nur noch Jane!
Dieses Erlebnis war mit anschließenden Unternehmungen in Kurts Bus nicht zu toppen. Bei landestypischer Musik: dumm dumm tschack - dumm dumm tschack, jammer nich moove dich, nimmm das girl und schüttel dich, kehrten wir in die quirlige Hafenstadt zurück. Ich noch auf die Pirsch nach einer Inselflagge und die Jungs auf der Suche nach einem Bankautomaten. Die hatten aber alle gerade Urlaub und bevor man die gute Laune verliert, trifft man sich noch bei einem Rum.
Eine laut schallende Box, mit eben dieser landestypischen Mugge, zog uns magisch in eine Bar Namens The Ruin.
Hinter einer wirklichen Ruine, bei der das Dach durch einfache Stoffplanen ersetzt worden ist, verbarg sich eine wirklich chillige Bar mit selbstgebrannten Kaffeebohnen, Gewürzen und außerordentlichem Rum. Warum große Verbotsschilder gegen Video und Fotos machen am Eingang einen fast erschlugen, habe ich auch im angetrunkenen Zustand Stunden später beim Verlassen nicht begriffen. Schuld an dem einhelligen Erfolg dieser Bar war dieser verflixte irre Rum. Was müssen die Piraten gesoffen haben! Sorten von Kakao bis Kokos. Zuletzt auch mit einer Schlange oder einem Wurm in der Flasche. Alles konnte man vor dem bestellen ausprobieren, so hatte man dann schon gleich ordentlich einen in der Kanne. Die Exoten habe ich mir erspart. Bei dieser Art von Rum ist die Umdrehungszahl nach oben offen.
Also, solltet ihr mal nach Rousseau auf Dominika kommen, dann einfach nach der hölzernen Seebrücke geradeaus, vorher auf der rechten Seite Kurt von Mario grüßen und erste links. Rechterhand hört ihr dann schon die Musik der Ruinenbar. Und wenn Ihr dann noch die Jungs am Tresen fragt, wann wieder mal Marvelous Case von der AIDA hier spielen, wird er lachen und euch vielleicht sogar zu einem Rum einladen - Jah man!
Bis eben und alles Gute wünscht euch Mario.